Stillhütchen abgewöhnen, wie geht das?

Hattest du am Anfang etwas Schwierigkeiten beim Stillen? Ist es nicht ganz so gelaufen, wie du es dir vorgestellt hast? Als dann die Krankenschwester oder Hebamme mit einem Stillhütchen zu dir kam, warst du im ersten Moment bestimmt glücklich und erleichtert über das Stillhütchen!? Die meisten denken, das Stillhütchen ist nach ein paar Tagen Geschichte, aber das ist meistens nicht die Realität! Wieso das so ist und wie du trotz allem, das Stillhütchen abgewöhnen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Das Stillhütchen ist ein Segen & Fluch zugleich. Einerseits kann man bei anfänglichen Schwierigkeiten besser und leichter damit Stillen. Aber sobald Mutter und Baby etwas eingespielt sind und die Milchproduktion sich geregelt hat, dann wird das Stillhütchen zum großen Problem.

Warum ist das so?
Das Baby gewöhnt sich sehr schnell an das Stillhütchen und möchte danach nicht mehr ohne gestillt werden. Da es für das Baby leichter ist mit einem Stillhütchen zu trinken, als direkt an der Brust. Die Milch ist dadurch leichter verfügbar. Des Weiteren gewöhnt es sich schnell an die größere Brustwarze. Auch die Saugbewegung ist an der Brust anders, als mit einem Stillhütchen.

Wie gewöhnst du das Stillhütchen ab?

Wenn sich dein Baby an das Stillhütchen gewöhnt hat, dann ist es wirklich schwer das abzugewöhnen. Dafür brauchst du Geduld und den richtigen Zeitpunkt.

So gewöhnst du das Stillhütchen ab:
Du legst dein Baby wie gewohnt mit dem Stillhütchen an. Während dem trinken, ziehst du einfach das Stillhütchen weg. Dann saugt dein Kind direkt an der Brust weiter. Wenn deinem Baby bewusst wird, dass das Stillhütchen fehlt und es deshalb nicht weiter trinken möchte, dann kannst du das Stillhütchen wieder dran machen.

Wenn dieser Schritt gut klappt, dann kannst du regelmäßig versuchen, dein Baby ohne Stillhütchen anzulegen. Du kannst auch versuchen, die erste Brust mit Stillhütchen anzulegen und die zweite Brust ohne. Versuche im Laufe der Abgewöhnung, das Stillhütchen nur zu nutzen, wenn dein Baby es ohne, die Brust verweigert. Mit der Zeit wird dein Baby immer mehr an der Brust trinken und sich die richtige Saugbewegung wieder aneignen.

Tipp einer Stillberaterin: Während einem Wachstumsschub kann man das Stillhütchen gut abgewöhnen. Dann sind die Babys etwas durcheinander und merken nicht so richtig, wenn das Stillhütchen fehlt.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, die Stillberaterin hat Recht! Kurz vor dem dritten Monat, hatte meine Tochter einen Wachstumsschub. Ich habe wie immer versucht, sie vom Stillhütchen abzugewöhnen – nur auf einmal hat es ohne große Probleme geklappt. Wir waren nach zwei Tagen komplett ohne Stilhütchen. Von anderen Müttern habe ich das gleiche erfahren, dass sie um den dritten Monat ihr Baby auf einmal ganz schnell abgewöhnen konnten.

Im Halbschlaf kannst du dein Baby meistens auch besser abgewöhnen. Wenn dein Baby gerade beim aufwachen ist, einfach die Brust ohne Stillhütchen anbieten. Dann nimmt es die Brust eher ohne Stillhütchen an.

Weitere Möglichkeiten:
Viel Hautkontakt: Das Baby bis auf die Windel ausziehen. Dann auf den eigenen nackten Oberkörper legen. Der Kopf von deinem Baby sollte auf Höhe der Brust sein. Lege dich entspannt hin, meistens suchen die Babys selber nach der Brustwarze und fangen an zu saugen.

Wenn es im Bett nicht klappt, kannst du dein fast nacktes Baby ins Tragetuch nehmen. Dabei solltest du beachten, dass der Mund auf der Höhe von der Brustwarze ist. Nach einer Weile fängt es an, nach deiner Brustwarze zu suchen und hoffentlich daran zu saugen. Bewegungen helfen meistens auch beim anlegen, einfach herumlaufen oder wiegen. Dann beruhigt sich dein Baby vielleicht schneller, wenn das Stillhütchen nicht da ist.

Was das Stillen an der Brust erleichtern kann, die Milch einfach schon vor dem Anlegen zum Laufen bringen. Dann muss dein Baby für den ersten Schluck nicht so lange saugen und es riecht gleich die leckere Muttermilch.

Welche Frauen bekommen ein Stillhütchen?

Für die meisten Frauen sind Stillhütchen nicht Nötig. Meistens entsteht mehr schaden, als Nutzen. Deshalb solltest du versuchen immer ohne Stillhütchen zu stillen und wenn du doch ein Stillhütchen benutzt, dann versuche das so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Diesen Frauen, wird oft ein Stillhütchen empfohlen:

  • Frauen die Flachwarzen oder Schlupfwarzen haben. Auch hier können meistens die Babys ohne Stillhütchen gestillt werden.
  • Frauen mit wunden Brustwarzen. Leider ist mit den Stillhütchen nur kurzfristig geholfen, aber das Problem ist damit nicht beseitigt. Es wird mit dem Stillhütchen oft noch verschlimmert. Deshalb ist hier ein Stillhütchen keine gute Lösung.
  • Dann wird es Frauen empfohlen, die anfängliche Stillprobleme haben. Aus unterschiedlichen Gründen. Oft ist das Neugeborene noch sehr schwach, Frühgeborene die Probleme beim saugen haben, usw. Meistens können diese Frauen, das mit Geduld und Unterstützung ohne Stillhütchen schaffen.

Was sind die Nachteile vom Stillhütchen?

  • Die Milchmenge kann schnell zurückgehen, da die Brust durch das Stillhütchen nicht so gut angeregt wird. Die Gefahr besteht, dass die Milch nach paar Monaten weg ist.
  • Eine weitere Gefahr ist, dass die Mutter die Lust auf das Stillen verliert. Die wenigsten Mütter stillen über eine längere Zeit mit einem Stillhütchen.
  • Das Baby trinkt mit einem Stillhütchen viel länger an der Brust. Da es viel länger braucht um auf die gleiche Milchmenge zu kommen. Bei meiner Tochter hat eine Mahlzeit 30 – 45 min gedauert, ohne Stillhütchen nur 8 Minuten. Das ist ein riesen Unterschied.
  • Viele Babys nehmen damit schlechter zu.
  • Beim Stillhütchen läuft immer wieder Milch aus. Man ist nach dem Stillen immer mit Milch bekleckert. Das ist ziemlich nervig!
  • Das Stillhütchen muss nach jeder Stillmahlzeit ausgekocht werden
  • Die Stillhütchen müssen immer dabei sein. Dürfen nie vergessen werden.
  • Das Baby trinkt nicht wirklich an der Brust und bekommt auch kein Fläschchen. Das ist ein komisches Gefühl. Ich mochte das nicht.
Kleinkind Stillen Ist das normal?

Eigene Erfahrung

Auch unsere Stillbeziehung hat nicht optimal gestartet. Als der Milcheinschuss nach drei Tagen kam, konnte meine Tochter auf einmal die Brust nicht so gut fassen. (Was ich damals nicht wusste und mir niemand gesagt hat, ich hätte einfach nur die Brust vor dem Stillen etwas ausstreichen müssen. Dann wäre die Brust nicht so prall gewesen und meine Tochter hätte in Ruhe trinken können.)

In dieser Phase, hat gerade mein Krankenhausaufenthalt geendet. Ich war in Sorge, dass meine Tochter an der Brust verhungern könnte. Da hat mir eine Krankenschwester die Stillhütchen angeboten und gemeint, sobald der Milcheinschuss vorbei ist, in ca. 1 – 2 Tagen, einfach ohne Stillhütchen weiter stillen. Leider war das in der Praxis etwas anders. Meine Tochter hat sich so schnell an die Stillhütchen gewöhnt und wollte ohne die Stillhütchen nicht mehr trinken. Alle meine Bemühungen waren umsonst, obwohl meine Tochter schon nach ein paar Tagen ohne Probleme an der Brust hätte trinken können.

Nach dem ich das Stillhütchen, nach fast drei Monaten, endlich abgewöhnt hatte, hat sich unsere Stillbeziehung drastisch ins positive verändert. Ich habe sie nicht mehr den ganzen Tag und die ganze Nacht stillen müssen. Jede Stillmahlzeit hat sich von 30 – 45 Minuten auf 8 Minuten verkürzt. Dadurch wurden auch die Stillabstände länger. Zusätzlich war ich sehr froh darüber, meine Tochter endlich richtig stillen zu können.

Ein weiterer großer Vorteil war, ich habe das Stillen als hygienischer empfunden, da ich nicht mehr dauernd mit Milch bekleckert war – das war beim Stillhütchen dauernd der Fall.

Am Anfang der Stillbeziehung habe ich mir schon die Zeit herbeigesehnt, endlich nicht mehr stillen zu müssen. Nach dem das Stillhütchen endlich weg war, wurde das Stillen zu etwas besonderem und zu etwas ganz natürlichem. Wär hätte das damals gedacht, nun stille ich ein Kleinkind und ich genieße die Zeit mit ihr. Hier mehr zum Thema Kleinkind stillen.

Fazit

Das Abgewöhne von einem Stillhütchen ist meistens nicht einfach! Wichtig ist, dass du nicht aufgibst und dran bleibst. Für deine Mühe werden du und dein Baby belohnt. Eure Stillbeziehung wird sich positiv verändern.

Schaue nach, wann ungefähr der nächste Wachstumsschub bei deinem Baby ist und nutze diese Phase (Buchempfehlung: Oje ich wachse. In diesem Buch, ist ein richtig guter Wachstumsschubkalender, der bei den meisten Babys zutrifft.) Besonders um den dritten Monat, ist es leichter das Stillhütchen abzugewöhnen!

Mehr Information zum Buch: Oje ich wachse.

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