Stillen nach Bedarf

Wie wichtig ist dir das Stillen?

Nach Bedarf zu stillen hat viele Vorteile, die sich positiv auf die Mutter-Kind-Beziehung auswirken. Was ist das aber genau? Wie wird das angewandt? Wie oft hat ein Neugeborenes Hunger? Wird auch in der Nacht nach Bedarf gestillt? Wie wird das in der Öffentlichkeit praktiziert?….

Stillen nach Bedarf bedeutet, dass die Mutter schnell auf die Hungersignale vom Baby reagiert. Es wird nicht nach der Uhrzeit gestillt! Sondern so schnell wie möglich. Stillen nach Bedarf stillt von Babys den Hunger, Durst und das Bedürfnis von Körpernähe.

Wie wird nach Bedarf gestillt?

sobald man merkt, dass das Baby nach der Brust sucht, Mund Saugbewegungen macht, an der Hand saugt, unruhig wird oder quengelt, sollte man die Brust anbieten und nicht erst wenn das Baby schon beim Schreien ist. Wenn das Baby erst immer schreien muss, dann ist das nicht Stillen nach Bedarf. Bis zu diesem Zeitpunkt hat das Baby vermutlich schon länger Hunger.

Wenn das Baby erstmal lauthals schreit, ist es manchmal schwer es wieder zu beruhigen. Beim schreien atmet das Baby zu viel Luft ein, es könnte danach Bauchschmerzen bekommen. Das Schreien ist auch nicht besonders Beziehungsfördernd. Für mich war es immer sehr wichtig, dass meine Tochter nicht erst schreien muss, bevor ich ihr die Brust gebe.

Wenn das Baby keinen Hunger hat, nimmt es die Brust auch nicht an. Aber Mütter sollten wissen, dass die Neugeborenen einfach sehr oft Hunger haben, am Tag und auch in der Nacht, da der Magen einfach noch so klein ist. Die erste Zeit nach der Geburt ist es mit einem Baby nie einfach, aber es lohnt sich durchzuhalten.

Vielleicht möchte die Natur dadurch das Neugeborene und die Mutter aneinander binden. Das Baby braucht diese enge Bindung, besonders nach der Geburt. Im Bauch war es immer ganz nah bei der Mutter und nach der Geburt, bekommt das Baby auf einmal ein eigenes Bett, Stubenwagen, Kinderwagen, Autoschale usw. überall ist Trennung – kein Körperkontakt zur Mutter und keine enge Nähe. Echt traurig. Diese Art von Trennung zur Mutter sollte langsamer erfolgen und dem Alter und der Entwicklung des Kindes entsprechen.

Die Vorteile vom Stillen nach Bedarf

  • Genug Muttermilch beim Stillen nach Bedarf
  • Das Baby nimmt besser zu
  • Besser für die Mutter-Kind-Beziehung
  • Eine bessere und harmonischere Stillbeziehung
  • Erleichtert das Einschlafen
  • An der Brust wird Schmerz gelindert, die Ängste reduziert, Trost gespendet. Das alles ist nur möglich, wenn sofort auf die Signale vom Baby reagiert wird – das alles ist sehr wichtig für eine gute Entwicklung
  • Das Baby beruhigt sich viel schneller an der Brust, als mit anderen Methoden, dadurch hat die Mutter weniger Stress

Wieso hat ein Neugeborenes so oft hunger?

Nach der Geburt ist der Magen nur so groß wie eine Murmel, nach ca. 10 Tage so groß wie ein Pingpongball. Zusätzlich ist die Muttermilch fettarm und verlässt nach ca. 30 Minuten den Magen und wird schnell verdaut. Dadurch muss das Baby einfach oft gestillt werden.

Genug Muttermilch beim Stillen bei Bedarf

Viele Mütter haben das Problem, dass die Muttermilch einfach nicht für das Baby ausreicht. Den Müttern wird empfohlen Stilltees zu trinken, Milchfördernde Produkte zu essen und trotzdem haben viele Mütter, die nicht nach Bedarf stillen, entweder zu wenig Milch oder die Muttermilch reicht nicht einmal für ein Jahr.

Bei fast allen Müttern die ihre Babys nach Bedarf stillen, bei denen geht die Muttermilch nicht so schnell aus. Um so öfter das Baby an der Brust saugt, umso mehr wird die Brust angeregt und der Körper produziert Milch in der Menge die das Baby zum wachsen braucht.

Das Baby gibt so selber die Muttermilch-Bestellung für den nächsten Tag auf. Besonders wenn Babys einen Wachstumsschub haben, brauchen sie auf einmal viel mehr Muttermilch als gewöhnlich. Das bedeutet, die wollen viel öfter an die Brust. Auch wenn wir Mütter denken, wir haben momentan doch nicht soviel Milch, einfach das Baby saugen lassen, am nächsten Tag schon haben wir Mütter viel mehr Milch.

Also nicht sofort in Panik verfallen, weil man nicht genug Milch hat und den Fehler machen: das Baby gleich zufüttern. Das würde sich auf die Milchmenge auswirken, da das Baby nicht mehr oft genug an der Brust saugt und so der Körper der Mutter nicht angeregt wird, mehr Milch zu produzieren.

Mütter die ihre Kinder nach Bedarf stillen, können meistens solange stillen wie sie möchten, da genug Milch vorhanden ist. Das Ende der Stillbeziehung entscheidet dann die Mutter oder das Kind und nicht die Milchmenge.

Stillen nach Bedarf

Stillen in der Öffentlichkeit

Besonders schwer, fällt es vielen Frauen in der Öffentlichkeit nach Bedarf zu stillen. Wo findet man den geeigneten Platz und die Ruhe für Mutter und Kind? Sieht man die Brust oder Ärgern sich die Leute, die es sehen? Das sind Fragen die uns Mütter beschäftigen.

Stillmöglichkeiten in der Öffentlichkeit:

  • Wenn das Auto in der Nähe ist, dann ist es eine gute Möglichkeit im Auto in Ruhe zu stillen
  • In Einkaufszentren gibt es meistens einen Stillraum, ansonsten gehen auch immer Umkleidekabinen
  • Viele Restaurants haben auch nichts dagegen, wenn die Mutter stillen möchte. Entweder den Stuhl zur Wand drehen, eine ruhige Ecke suchen oder einfach ein Tuch über die Brust legen, dann stört sich normalerweise niemand daran
  • Bei einem Spaziergang einfach auf eine Wiese oder eine Bank setzen. In der Natur findet man meistens eine ruhiges Örtchen zum Stillen

Es empfiehlt sich beim Stillen in der Öffentlichkeit ein Tuch zu nehmen, dass man ganz diskret über die Brust legen kann. Oder das Baby kann im Tragetuch gestillt werden. Das interessante ist, fast keiner sieht es, wenn man sein Baby stillt. Meistens schauen die Leute nicht hin oder die denken, das Baby schläft nur im Arm. Ich habe immer ein Tuch über die Schulter gehängt – es konnte niemand die Brust sehen. Die wenigen, die verstanden haben, das ich stille – haben mich nicht angesprochen und auch keinen komischen Blick auf mich geworfen.

Ich habe schon viele Mütter auf dem Spielplatz, in der Stadt, in Restaurants, usw. ihre Babys stillen gesehen. Niemand hat zu den Müttern was gesagt. Deshalb kann ich alle Mütter nur ermutigen, auch in der Öffentlichkeit ihr Baby zu stillen und die gute Stillbeziehung weiter zu fördern.

Negative Kommentare

Meistens ist es die eigene Mutter, Schwiegermutter, Oma oder Bekannte, die uns versuchen das Stillen nach Bedarf auszureden.

Mit diesen und ähnlichen Aussagen:

  • Kinder haben mehr Bauchschmerzen bei häufigem stillen
  • dein Kind nimmt dir die Zeit weg, wenn du oft stillen musst
  • Ihr seid auch groß geworden, ohne stillen nach Bedarf
  • wenn dein Baby so oft gestillt wird, dann wird es später immer viel Essen wollen
  • Die Muttermilch enthält Schadstoffe, deshalb sollte man nicht länger als 6 Wochen stillen
  • Zu oft stillen, dass verwöhnt die Babys zu sehr

Ich selber, habe viele dieser Aussagen anhören dürfen und den meisten Müttern in den verschiedenen Baby-Kursen ging das genauso. Das war echt nervig, aber ich habe mich entschieden nach Bedarf zu stillen. Das schlimmste ist, dass die Aussagen komplett falsch sind und aus einer Zeit stammen, als viel mit Babys experimentiert wurde – leider nicht zum Wohl des kleinen, unschuldigen Wesens.

Mehr über die Gesundheit & Vorteile von gestillten Babys in diesem Artikel.

Ich kann meinem Baby die Muttermilch nicht verweigern, wenn es Hunger hat. Ich kann meinem Kind auch die Brust nicht vorenthalten, wenn es einfach beruhigt werden möchte oder zum einzuschlafen braucht. Das ist das normalste auf der Welt, leider wurde und wird das Heute als verwöhnen und verziehen gesehen. Die Stillbeziehung sollte was besonderes sein und nicht die ganze Zeit von anderen kommentiert werden. Ich bin sehr dankbar, dass ich eine Hebamme hatte, die mir das Stillen nach Bedarf ans Herz gelegt hat und mich  in der Stillbeziehung zu meiner Tochter unterstützt hat.

Eigene Erfahrung - positives Feedback vom Kinderarzt

Ich habe meine Tochter im ersten halben Jahr, sehr oft gestillt und jedes Mal hat uns der Kinderarzt gesagt, dass unser Kind ein Traumkind ist. Das Gewicht ist perfekt und auch die ganze andere Entwicklung ist sehr gut. Er wollte uns kaum glauben, dass ich mein Kind mit 6 Monaten immer noch Vollstille und sie dabei so prächtig gedeiht.

Obwohl der Kinderarzt kurz vor seiner Rente war, war er der Meinung, die Milch reicht höchstens 5 Monate und dann muss man das Kind zufüttern. Er war bei uns positiv überrascht 🙂 Vielen Müttern wird gesagt, dass die Muttermilch höchstens 5 bis 6 Monate zum Vollstillen reicht, das stimmt aber nicht, wenn man nach Bedarf stillt.

Fazit

Trotz vielen negativen Kommentaren aus Familien- und Bekanntenkreisen, sollten Mütter das machen, was dem eigenen Baby gut tut. Und sich nicht beirren lassen.

Wer nach Bedarf stillt, hat meistens genug Muttermilch über die ganze Stillzeit. Die Stillbeziehung wird dadurch gefördert und die Mütter haben meistens eine sehr enge Bindung zu Ihrem Kind.

Auch das Stillen in der Öffentlichkeit sollte kein Problem darstellen, einfach immer bevor das Baby Hunger hat, sich schon einen Stillplatz überlegen, damit man nicht in Stress kommt, wenn das Baby mit quengeln anfängt. So muss das Baby auch unterwegs nicht schreien 😉

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