Geburtsvorbereitung

Für eine schmerzarme oder schmerzfreie Geburt

(Teil 1)

 

Bist Du schwanger? Dann solltest Du eine umfassende Geburtsvorbereitung machen. Das ist sehr wichtig, wenn Du eine gute Geburt haben möchtest. Erfahre welche Geburtspositionen Dich bei der Geburt unterstützen, um schneller und leichter zu gebären. Wie die Atmung und das Tönen dir bei den Wehen helfen, um weniger oder gar keine schmerzen zu empfinden. Und viele weitere Themen die Dir während der Geburt nützlich sein können.

Geburtsvorbereitung

Geburtsvorbereitung

Wer sich nicht vorbereitet, wird während der Geburt schneller an Grenzen stoßen, mehr schmerzen haben und hilflos dem Personal im Krankenhaus ausgeliefert sein. Wer seine Geburt nicht selbstbestimmt, wird ganz schnell von anderen bestimmt. Deshalb treffe die Vorbereitungen schon vor der Geburt. Nur Du kennst deinen Körper und kennst deine Bedürfnisse! Deshalb informiere Dich ausführlich über die Geburt und übe die Punkte, die Dir wichtig sind. Nur so kannst Du während der Geburt auf das zurückgreifen, was Du in der jeweiligen Situation brauchst.

Geburtspositionen

Es ist sehr wichtig, dass Du mehrere Geburtspositionen kennst!

  • Damit du leichter und effektiver gebären kannst
  • Die Geburtsposition kann dazu beitragen, dass die Geburt um einige Stunden verkürzt wird
  • Mit der richtigen Position kannst Du das Risiko für einen Dammriss verringern

Du solltest Dich mit mehreren Positionen vertraut machen, damit Du während der Geburt darauf Zugriff hast und instinktiv die richtige wählen kannst!

Wenn Du dich mit diesem Thema nicht auseinandersetzt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Du im Krankenhaus in der Rückenlage gebären wirst. Das ist die Schlimmste und unnatürlichste Art zum Gebären.

  • Du musst gegen die Schwerkraft arbeiten 
  • Die Gefahr steigt, dass es zu einem Cava-Vena-Syndrom kommt. Dabei wird das Baby sehr schlecht mit Blut versorgt, weil das Baby auf der großen Hohlvene liegt. 
  • Das Risiko für einen Dammriss ist sehr hoch
  • Das Risiko steigt, dass Du einen Kaiserschnitt haben wirst oder das Baby mit einer Saugglocke geholt wird.

Was sind die wichtigsten Geburtspositionen?

Laufen

In der Anfangsphase ist es zum Vorteil, wenn Du läufst. Du bewegst dabei dein Becken, dadurch kann das Baby sich in die richtige Position drehen. Laufe aber nicht zu viel, damit Du noch Kraft bis zum Ende der Geburt hast!

Stehen

Besonders in der Anfangsphase ist das Stehen während einer Wehe gut geeignet. Stelle dich breitbeinig hin, die Fersen sollten auf dem Boden bleiben. Du kannst Dich an die Wand lehnen oder an deinen Partner.

Vornübergebeugt

Du kannst Dich während einer Wehe am Tisch, an der Wickelkommode, am Fensterbrett, etc. festhalten. Suche für Dich die passende Höhe aus. In dieser Position kannst Du gut dein Becken kreisen und Dich auf deine Atmung konzentrieren. Ich fand diese Stellung in der Anfangsphase sehr angenehm und konnte so die Wehen gut veratmen.

Seitliches Sitzen

Das seitliche Sitzen ist für die Eröffnungsphase geeignet. In der Endphase kannst Du von der Position gut in den Vierfüßlerstand wechseln.

Bei dieser Position setzt Du dich seitlich auf dem Boden oder auf dem Sofa hin und stützt Dich mit einem Arm ab. Das Bein auf der anderen Seite stellst Du angewinkelt auf. Es ist gut, wenn Du in dieser Position deinen Becken kreisen kannst. Während einer Wehe solltest Du deinen Rücken rund machen, damit das Baby besser rutschen kann.

Vierfüßlerstand

Du kniest auf dem Boden oder auf dem Sofa. Dabei lehnst Du deinen Oberkörper auf einen Gymnastikball, auf die Sofalehne oder auf den Schoß deines Partners. Das gute bei dieser Stellung ist, dass Du deinen Becken gut bewegen kannst. Ich habe diese Position eingenommen, als die Wehen immer stärker wurden. In dieser Stellung konnte ich die stärkeren Wehen am besten veratmen und dazu tönen. Gleichzeitig konnte ich meinen Becken instinktiv bewegen.

Tiefe Hocke

Die Position ist besonders für die Endphase sehr hilfreich. Die Tiefe Hocke ist eine natürliche Geburts- und Ausscheidungshaltung. Die Schwerkraft zieht nach unten, das Baby wird mit jeder Wehe weiter nach unten geschoben. Da wir aber in unserer Kultur diese Haltung nicht praktizieren, haben die meisten nicht mehr die erforderlichen Muskeln und Gelenke. Wenn Du diese Position anwenden möchtest, dann solltest Du täglich die Tiefe Hocke üben. Für die Geburt gibt es speziell angepasste Sitzhilfen wie der Gebärhocker.

Tiefe Hocke

Atmung

Eine richtige Atmung ist das A und O während einer Geburt. Die Atmung sollte Dich die ganze Geburt begleiten. Die Atmung hilft Dir konzentriert zu bleiben, bringt Dich zur Ruhe und vermindert schmerzen.

Starte sobald wie möglich mit den Atemübungen, damit Du die Atmung während der Geburt anwenden kannst.

Die Lebensatmung:

Die Lebensatmung hilft Dir in den Wehenpausen besser zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Während den Wehen hilft die Dir, konzentriert zu bleiben und die Wehen besser zu verarbeiten. Dadurch empfindest Du weniger schmerzen oder Du kannst die so veratmen, dass Du erst keine schmerzen spürst.

Anwendung:
Atme in deinem Atemfluss, tief in den Bauch ein – so das er sich wölbt, dann Atme wieder vollständig aus. Das ganze machst Du mindestens 10x hintereinander. Das kannst Du gut beim sitzen oder liegen üben. Mache das so oft Du kannst. Das entspannt Dich, der Körper und der Geist werden dadurch besser gereinigt. Zusätzlich bist Du gut für die Geburt vorbereitet.

Weitere Wege um eine gute Atemtechnik zu erlangen:

Meditation

Versuche täglich zu meditieren. Es können auch nur 10 Minuten sein. Wichtig ist dabei, dass Du die richtige Atmung lernst. Mit einer Meditation kannst Du in deinen Wehenpausen besser entspannen und dich auf die kommende Welle konzentriert vorbereiten. Dadurch ist die Chance viel höher, dass die Wehen schmerzfrei sind oder Du die weniger spürst. Bedenke, die Atmung trägt dich durch die Geburt!
In diesem Artikel findest Du Tipps und Übungen, für eine Meditation.

Yoga

  • Mit Yoga kannst Du deine Atmung unter verschiedenen Bedingungen üben
  • Du machst was für deine Fitness und Gesundheit
  • Du trainierst beim Schwangerschaftsyoga deinen Beckenboden
  • Beim Yoga lernst Du Atemtechniken kennen, die dein Becken lockern und die das Risiko eines Dammrisses senken
  • Ein gutes Video für Schwangerschaftsyoga findest Du in dem Artikel: 5 Tipps, wie Du Fit & Gesund durch die Schwangerschaft kommst
Geburtsvorbereitung Yoga

Tönen

Übe schon vor der Geburt das Tönen. Damit Du das Tönen effektiv anwenden kannst. Das Tönen hilft dir während den Wehen:

  • Geburtsschmerzen weniger zu spüren
  • Dich leichter zu öffnen
  • Die Geburt für Dich und dein Baby zu erleichtern

Mit dem Tönen bringst Du dein Körper in Schwingung. Durch das Schwingen können die Schließmuskeln im Genitalbereich entspannen. Dadurch kannst Du die Geburt für Dich und dein Baby erleichtern und die Geburtskraft für Dich arbeiten lassen.

Anwendung:

  • Tönen kannst Du auf die Vokale (a, e, i, o, u)
  • Atme tief in dein Bauch ein
  • Mit dem Ausatmen tönst Du auf einem Vokal. Atme vollständig aus
  • Lass deine Lippen dabei leicht geöffnet
  • Töne auf einem tiefen Ton
  • Wichtig: Der Kiefer muss entspannt sein, da der Kiefer und der Beckenboden zusammen wirken. Das bedeutet, wenn der Kiefer verspannt ist, dann ist es auch der Beckenboden.

Als die Geburtswehen bei mir stärker wurden, habe ich mit dem Tönen angefangen. Dadurch konnte ich die Wehen besser verarbeiten. Mir hat da Tönen geholfen, um entspannt zu bleiben und meine Gedanken auf das Tönen zu konzentrieren anstatt auf die Schmerzen. Dadurch hatte ich während der Eröffnungsphase nur wenig schmerzen.

Visualisierung

Visualisiere in den Eröffnungswehen eine Rose die sich öffnet.
Atme tief in deinen Bauch ein und atme abwärts in dein Becken, aus deiner Vagina aus. Dabei visualisierst Du eine junge Rosenknospe  die sich mit jeder Wehe mehr und mehr öffnet. Bis die sich vollständig öffnet.
Diese innere Bilder helfen Dir, dich schneller zu öffnen und dich der Geburtskraft hinzugeben.

Geburtsvorbereiung

Geburt mit Flow

In Flow gebären bedeutet: im fließen, ohne Hindernisse, im Einklang mit dir selber gebären. Dabei erlebt man einen Zustand völliger Vertiefung und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit.

Versuche während der Geburt in ein Flow zu kommen. Hierfür ist es wichtig, dass Du auf dich und deine Atmung konzentriert bist. In der Wehenpause solltest Du dich ausruhen, was essen, trinken – überlege was Dir in den jeweiligen Momenten gut tut. Wenn dich eine Wehe überrollt hat, weil Du zu unkonzentriert warst, die Atmung nicht in den Griff bekommen hast, dann meditiere während einer Wehenpause, um wieder in den Flow zu kommen.

Wenn die Atmung alleine nicht mehr hilft, dann versuche es mit dem Tönen. Das Tönen nimmt sehr viel Druck  oder singe auf den Tönen. Konzentriere dich dabei und versuche mit dir verbunden zu bleiben.

Wichtig: Sobald Du andere Menschen mitbestimmen lässt, kommst Du aus deinem Flow.
Du musst Dich auch vor den Anwesenden gut und sicher fühlen, damit Du dich gehen lassen kannst, intuitiv bewegen, Tönen, singen kannst. Das geht meistens nur bei einer Hausgeburt. Am besten versuchst Du solange wie möglich alleine zu sein. Deine Geburtsbegleiter wie z.B. dein Partner und deine Hebamme können im Nebenzimmer sein, damit die sofort helfen können, sobald Du sie brauchst.

Bleibst Du im Flow, wirst Du eine selbstbestimmte, gute, schmerzarme oder schmerzfreie Geburt erleben. Alles Gute dafür.

Eigene Erfahrung

Ich habe meine zwei Töchter völlig unterschiedlich geboren:

Erste Geburt im Krankenhaus

Meine erste Tochter habe ich im Krankenhaus ohne große Vorbereitung geboren. Ich habe gedacht, dass ein Geburtsvorbereitungskurs ausreicht. Leider war das nicht so! Die erste Geburt ist mir traumatisch in Erinnerung geblieben. Ich war dem Personal im Krankenhaus komplett ausgeliefert, weil ich mich nicht genug mit dem Thema Atmungen, Gebärpositionen, Tönen, etc. auseinander gesetzt habe. Ich konnte mein Wissen während der Geburt nicht einsetzten, weil ich nur mal davon gehört habe. Am Ende habe ich in der Rückenlage, unter sehr starken schmerzen geboren.

Zweite Geburt zu Hause

Meine zweite Tochter habe ich zu Hause mit einer umfassenden Geburtsvorbereitung geboren. Durch die Vorbereitung konnte ich den Großteil der Geburt alleine meistern. Ich habe es geschafft, in ein Flow zu kommen. Die Wehen konnte ich bis fast zum Ende der Geburt gut veratmen oder dazu tönen. Kurz  vor Ende der Geburt habe ich meine Hebamme und meinen Mann dazu gerufen. Leider bin ich dadurch aus meinem Flow gekommen. Trotzdem ist die Geburt wirklich gut gelaufen. Ich kann jeder schwangeren Frau empfehlen sich intensiv mit der Geburtsvorbereitung zu beschäftigen, sich eine gute Hebamme zu suchen und am besten zu Hause gebären. Auch mein Mann der am Anfang skeptisch gegenüber einer Hausgeburt war, hat gemeint: Das ist das Beste, was wir machen konnten!

Buchempfehlungen zum Thema Geburtsvorbereitung

Das Buch Instinctive Birth von Isabella Ulrich kann ich wirklich empfehlen. Das Buch zeigt sehr gut auf, dass Du in der Lage bist, dein Kind aus eigener Kraft zu gebären.  

Dieses Buch ist auf Amazon erhältlich.

 

Das Buch Flow Birthing von Kristina Marita Rumpel finde ich sehr hilfreich um sich voller Freude auf die Geburt vorzubereiten. Es zeigt auf wie Du selbstbestimmt und im Flow gebären kannst. Ich finde das Buch etwas esoterisch, aber ansonsten sehr gut.

Dieses Buch ist bei Amazon erhältlich.

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