Erziehung Kleinkind

Liebevoller Umgang mit Kindern

Wenn du in der Beziehung zu deinem Kind regelmäßig unzufrieden bist, du dich in brisanten Situationen hilflos fühlst oder du dir noch keine großen Gedanken über deine Werte & Ziele gemacht hast – dann ist dieser Artikel für dich! Hier erfährst du, wie du die Beziehung positiv verändern kannst und die Bindung zu deinem Kind stärkst.

Erziehung Kleinkind Liebevoller Umgang mit Kindern

Wie möchte ich erziehen und wie wurde ich erzogen - Erziehung Kleinkind

Viele Eltern versuchen von Anfang an, alles perfekt für ihr Baby zu machen. Es wird nach Bedarf gestillt, das Baby wird getragen, geliebt und verwöhnt. Dann wird das Baby zum Kleinkind, der eigene Willen wird immer stärker, gehorchen wollen die meisten auch nicht mehr und in peinliche Situationen bringen die Kleinen einen auch noch. Auf einmal ist der Leitfaden „Liebevolle Erziehung“ anscheinend nicht mehr für die Eltern zu schaffen.

Eigentlich wollten die Eltern das Kind Gewaltfrei erziehen, aber in brisanten Momenten ist das auf einmal vergessen und das Kind bekommt den ersten Klaps auf den Po oder auf die Hand. Meistens geschieht das aus Überforderung. Plötzlich ist man im Zwiespalt zwischen wie möchte ich erziehen und wie wurde ich erzogen.

Die meisten Eltern wurden selber von ihren Eltern mit Gewalt erzogen, für die ein Klaps geben ganz normal war oder auch andere Bestrafungen zur Tagesordnung gehörten. Das was wir unseren eigenen Kindern NIEMALS antun wollten, weil wir das damals schon nicht in Ordnung fanden, wiederholen wir auf einmal.

Aber NUR DANN: Wenn wir unsere Werte und Ziele nicht festgesetzt haben. Unsere Erziehung sollte überlegt sein, die Werte und Ziele fest sein, damit wir in brisanten Situationen nicht von modernen Eltern zu traditionellen Eltern wechseln.

Grundlegende Werte in der Erziehung

Es gibt verschiedene Werte und die Stammen meistens aus unterschiedlichsten Quellen, wie aus der Religion, Philosophie, Politik, Ursprungsfamilie,… Das Beste ist, man setzt sich mit dem Partner zusammen und überlegt, welche Werte für die Familie am Wichtigsten sind.

Das sind die vier wichtigsten Werte für eine gute Führung in der Familie:

Authentizität: Eltern sollten in der Beziehung zum eigenen Kind immer authentisch sein und keine Rolle spielen. Eltern sollen zeigen wer sie wirklich sind. Kinder merken schnell, wenn die Eltern nur eine Rolle vorspielen. Wir sollten unsere Gefühle und unsere persönliche Grenzen zeigen.

Gleichwürdigkeit: Der Wert eines Kindes ist nicht geringer als das eines Erwachsenen. Das bedeutet nicht, dass sie Gleichberechtigt sind – das sind sie nicht, da die Eltern die Führung und die Macht haben. Die Eltern sollten aber die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder ernst nehmen und überlegen ob man die Bedürfnisse oder Wünsche erfüllen kann oder möchte. Es sollte eine Beziehung auf Augenhöhe sein und ein respektvoller Umgang mit dem Kind.

Integrität: Hierzu zählen unsere Bedürfnisse, unsere Identität und unsere eigenen Grenzen. Das bedeutet das Recht „Nein“ zu sagen, das Recht unsere Werte zu schützen, das Recht Gefühle zu haben wie Traurigkeit, Frust, Freude, Liebe…, das Recht eine eigene Persönlichkeit zu haben. Sich für andere nicht verbiegen zu müssen und Mut zur eigenen Meinung haben.

Persönliche Verantwortung: Die Eltern übernehmen die Verantwortung dafür, wie die Kinder geführt werden. Die Eltern sind zu einhundert Prozent dafür Verantwortlich, wie die Kinder sich entwickeln solange sie zu Hause wohnen. Die Eltern sind für die Qualität der Beziehung Verantwortlich. Auch die besten Eltern machen Fehler, aber dann steht man dazu und schiebt nicht die Schuld den Kindern zu.

Beispiele für die Umsetzung von Werten

Ist es uns wichtig, dass sich unser Kind respektvoll gegenüber uns und anderen Menschen verhält, dann sollten wir auch respektvoll mit unserem Kind und anderen Menschen umgehen, das Kind lernt von uns! Ein Kind ist sehr aufmerksam und bekommt unser Verhalten sehr gut mit.

Wenn uns wichtig ist, dass unser Kind Dankbar im Leben ist, dann sollten wir Dankbarkeit vorleben. Wir können unserem Kind regelmäßig sagen für was wir Dankbar sind und ihm beibringen das Leben positiv zu sehen und auch schon für Kleinigkeiten Dankbarkeit zu empfinden. Wer Dankbar ist, hat eine positive Ausstrahlung, eine positive Einstellung, viel Glück, etc. Ein Wert der meistens unterschätzt wird!

Werte müssen vorgelebt werden und wenn wir eine gute Beziehung zu unserem Kind haben, dann übernimmt das Kind meistens die gleichen Werte.

Ziele in der Erziehung vom Kleinkind

Wer soll unser Kind später sein? Soll es unseren Wünschen entsprechen oder dürfen seine eigenen Talente gefördert werden? Soll es eigenständig sein? Ein Kind das auch „Nein“ sagen kann, besonders zu Gruppenzwang, Drogen, Alkohol, Missbrauch, usw.? Ein Kind mit einem guten Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen? Was sind unsere Ziele und unsere Motivationen? Über unsere Ziele sollten wir im Klaren sein!

Beispiele für die Umsetzung von Zielen

Einer meiner vielen Ziele ist, dass meine Tochter lernt sich Vollwertig und Abwechslungsreich zu ernähren. Also binde ich sie in unsere Ernährung mit ein.

  • Beim Einkaufen ist sie immer mit dabei, sie hilft mir das Obst & Gemüse rauszusuchen. Sie sieht dabei welche Qualität mir wichtig ist.
  • Meine Tochter ist bei der Vorbereitung der Speisen mit dabei und hilft wo sie kann und möchte.
  • Sie hilft beim pflanzen, gießen und pflücken der Kräuter.
  • Im Sommer werden Obst & Gemüse gemeinsam geerntet
  • Ich erkläre ihr, welche Lebensmittel besonders wertvoll für unsere Gesundheit sind und welche dafür schädlich sind.

Wenn ein Kind mit einer Vollwertigen und Abwechslungsreichen Ernährung aufwächst die Spaß macht, dann wird es sich später meistens auch gesund ernähren. Das Wichtigste: Das Kind kennt sich mit der Ernährung aus und kann die später selber zubereiten.

Wenn einer der Ziele ist, dass das Kind „Nein“ sagen kann, wenn seine Grenzen übertreten werden, dann sollten wir Eltern uns überlegen, wie wir das praktisch in der Erziehung umsetzen. Wann und Wie schützen wir selber unsere Grenzen, wie deutlich sagen wir „Nein“ in solchen Situationen. Wie bringen wir unseren Kindern bei, „Nein“ zu Missbrauch, Gruppenzwang, Suchtmittel,… zu sagen? In welchen Themen klären wir unsere Kinder auf, damit sie die Gefahren kennen? Alle diese Fragen und noch mehr sollten wir uns stellen.

Erziehung Kleinkind

Wie sieht eine gesunde Führung aus

Für eine erfolgreiche Erziehung ist der Dialog zwischen Eltern und Kindern sehr wichtig. Als Eltern sollte man nicht immer die alleinige Entscheidung treffen, man sollte offen sein für Diskussionen. So erfahren die Eltern welche Bedürfnisse, Wünsche und Vorlieben das Kind hat. Mit diesem Wissen können Eltern eine bessere Entscheidung für das Kind und für die Familie treffen. Auch Kleinkinder die noch nicht sprechen können, können schon zeigen was sie lieben und bevorzugen.

Zusätzlich hat man herausgefunden, dass eine Subjekt-Subjekt-Beziehung viel besser ist, als eine Subjekt-Objekt-Beziehung. Das bedeutet, Eltern sollten mit ihren Kindern auf Augenhöhe reden und nicht wie mit einem Ding, das keine Ahnung hat.

Weiter ist es wichtig, dass die Eltern die Werte und Ziele im Blick haben und danach ihren Führungsstil anpassen. Damit die Eltern nicht wankelmütig sind, sondern Eltern sind auf die Verlass ist.

Eltern sollen ihre persönliche Grenzen zeigen

Eltern sollten ihre persönlichen Grenzen zeigen und kommunizieren, wie z.B.:

  • Ich möchte dich jetzt nicht tragen, weil ich Rückenschmerzen habe!
  • Ich will jetzt nicht mit dir spielen, ich brauche dringend eine Ruhepause!
  • Ich kann dich jetzt nicht nehmen! Weil ich uns was zum Essen machen möchte, ich habe einen großen Hunger!
  • Ich möchte nicht, dass du so laut bist, ich habe heute Kopfschmerzen!

Einfach ICH-Sätze formulieren. Damit greift man das Kind nicht an, sagt aber deutlich was man möchte oder nicht möchte.

DU-Sätze sind meistens beleidigend und schädigen die Beziehung.

Beispiel für DU-Sätze:

  • Immer soll ich dich tragen, du kannst auch selber laufen!
  • Du bist heute echt anstrengend!
  • Sei ruhig, du nervst!

DU-Sätze sind für den Gegenüber, egal ob Kind oder Partner, nicht besonders freundlich und Beziehungsfördernd. Für gute Beziehungen sollten wir unsere Sätze in ICH-Sätze umformulieren.

Kinder haben eigene Grenzen

Nicht nur die Eltern haben persönliche Grenzen, sondern auch die Kinder haben die! Es wurde lange Zeit nicht gesehen oder ignoriert. Durch viele Untersuchungen hat man festgestellt, dass jedes Kind eigene Grenzen hat, deshalb müssen wir Eltern den Kindern auch keine Grenzen setzten, außer die persönlichen Grenzen.

Regeln gibt es in jeder Familie, das sind aber keine Grenzen! Wie erkennt man aber die Grenzen von Kindern? Wichtig ist, das Kind zu beobachten und zu merken wo die Grenzen vom eigenen Kind sind, wo werden die Übertreten, wo ist das Kind beleidigt, enttäuscht, verunsichert – wurden vielleicht Grenzen überschritten? Wir sollten Zeit für unsere Kinder nehmen und sie genau beobachten und schauen wer sie wirklich sind. Nur wer sein Kind kennt, kann auch eine gute Beziehung zu ihm führen.

Brisante Situationen, besonders in der sogenannten Trotzphase

Nach Jesper Juul gibt es kein Trotzalter. Kinder zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr wollen sich von der kompletten Abhängigkeit von den Eltern lösen, das ist ein ganz natürlicher Prozess.

Wenn wir Eltern versuchen das zu unterbinden, kommt es zu Machtkämpfen. Die Eltern sollten diese Entwicklung fördern und das Kind probieren lassen, solange es sich nicht selber schadet. Nach Jesper Juul braucht ein Kind in diesem Alter, Eltern die das Kind wertschätzen und anleiten.

Beispiel - das Kind selber machen lassen

Wenn das Kind selber die Schuhe anziehen möchte, sich selber Wasser ins Glas eingießen oder die Türe aufschließen möchte, dann sollten wir antworten: „Super, dann mach es selber, wenn du Hilfe brauchst, dann gib einfach bescheid“. Meistens möchte das Kleinkind paar Minuten später die Hilfe der Eltern. Beim Wasser eingießen kann auch mal was daneben gehen, aber das ist wichtig für das Lernen von Selbstständigkeit und ein Kind kann meistens schon bald ohne daneben zugießen sein Glas voll machen.

Beispiel - das Kind anleiten

Wenn das Kind bei der Zubereitung der Mahlzeit unbedingt helfen möchte, dann sollten wir es gewähren lassen. Möchte das Kind z.B. unbedingt schneiden, dann können wir ihm zeigen wie das geht und das Kind dabei unterstützen.

Beispiel - das Kind fördern

Meine Tochter wollte vor kurzem das ich für sie eine Flasche in den Kühlschrank stelle, darauf habe ich ihr gesagt, sie soll es doch erst mal selber versuchen, wenn sie nicht so hoch kommt, dann helfe ich ihr gerne.
Sie hat sich gereckt und gestreckt, schlussendlich sie hat es ganz alleine geschafft. Sie war unheimlich stolz auf sich und hat es dem Papa am Abend vorgeführt. Danach wollte sie auf einmal die Spülmaschine ganz alleine ausräumen und auch noch alleine einräumen. Das hat mir unheimlich gut gefallen und sie war mega stolz auf sich 🙂

Wutanfälle

Wenn Kinder ein Wutanfall haben, weil die etwas nicht bekommen oder etwas selber nicht hinbekommen, dann sollten die Eltern das Kind nicht Trösten oder die Situation relativieren – sondern emphatisch reagieren und eine anerkennende Bemerkung machen: „Ich wusste nicht das es dir so Wichtig ist“ oder „Ich kann dich gut verstehen, dass du jetzt traurig/enttäuscht/wütend bist, ich hoffe du kommst bald drüber hinweg. Eltern sollten sich in den Frust nicht weiter einmischen. Es ist ein Prozess das ein Kind durchmachen muss. Wir Eltern sollten uns dabei auch nicht schlecht fühlen und denken, dass wir in unserer Erziehung versagt haben.

Fazit

Wir Eltern sollten die Werte und Ziele in der Erziehung genau kennen, damit wir die Führung in der Familie richtig ausführen können. Wir sollten unsere Kinder ernst nehmen und sie respektvoll behandeln. Dabei sollten wir unsere Grenzen und die Grenzen vom Kind nicht außer Acht lassen.

Kleinkinder sollten in ihrem Drang zur Selbstständigkeit gefördert werden und Kleinkinder haben das Recht bei einem „Nein“ wütend darauf zu reagieren – das hat nichts mit der Qualität unserer Erziehung und unserer Beziehung zum Kind zu tun.

Inspiration

Die Inspiration zu diesem Thema, habe ich vom Buch „Leitwölfe sein, Liebevolle Führung in der Familie“ vom Autor Jesper Juul. Dieses Buch kann ich wirklich empfehlen. Besonders für Eltern die sich weiter mit diesem Thema beschäftigen wollen, viele weitere Informationen haben möchten und sich eine gute Beziehung zu ihrem Kind wünschen. Ihr könnt das Buch bei Amazon bestellen. Es lohnt sich wirklich.

Empfehlung

Besonders zu empfehlen ist das Buch „Dein kompetentes Kind – Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie“ auch vom Autor Jesper Juul. Dieses Buch hat die Beziehung zu meiner Tochter in einer positiven Weise verändert. Ich konnte bestimmte Verhaltensweisen besser verstehen und mich reflektieren.
Dieses Buch sollte man gelesen haben!

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